Selbstständigkeit für jedermann? Planung vor der Existenzgründung

Selbstständigkeit für jedermann? Planung vor der Existenzgründung
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Du bist mit deinem Vorgesetzten unzufrieden und deine Arbeit macht schon lange keinen Spaß mehr? Du hast keine Lust, für jemanden arbeiten zu gehen, um nicht ausgenutzt zu werden?

Planung Selbstständigkeit

Die richtige Planung einer Selbstständigkeit – © fxxu / Pixabay.com

Du willst deshalb selbstständig werden, weißt aber nicht wie? Dieser Ratgeber soll dir auf dem Weg zur Selbstständigkeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Du erfährst alles über die Planung.

Planung vor der Existenzgründung

Bevor es losgeht: Welchen Weg willst du einschlagen?

Laut KfW Gründungsmonitor starten jährlich 800.000 Gründer (Stand: 2016) in die Selbstständigkeit. Das hört sich nach viel an, wenn aber bedacht wird, dass jährlich 1,5 Millionen Menschen den Plan haben in die Selbstständigkeit zu gehen, wirken diese 800.000 doch eher klein.

Um jedoch zu diesen 800.000 gehören zu können, musst du dir zunächst die Frage stellen, mit welcher Idee beziehungsweise mit welchem Konzept du den Schritt in die Selbstständigkeit wagen willst. Im Grunde stehen dem modernen drei Optionen zur Auswahl, die ich in diesem Abschnitt näher erläutern werde. Diese lauten wie folgt:

  • Der Start mit einer eigenen Idee
  • Die Gründung per Franchise
  • Eine Nachfolge antreten

Alle genannten Möglichkeiten zur Existenzgründung haben sowohl Vor- als auch Nachteile. Jene solltest du als zukünftig erfolgreicher Selbstständiger genau kennen und sorgfältig abwägen.

Die eigene Idee

Die eigens ausgedachte Geschäftsidee ist mit Sicherheit der anspruchsvollste der drei Wege. Es muss aus dem Nichts alles selber geschaffen und gestaltet werden. Jedoch kannst du selber festlegen, welches Produkt oder Dienstleistung mit welchen Eigenschaften du vertreiben willst, an welche Zielgruppe du dich wendest.

Das macht alles viel Spaß. Der große Vorteil dieser kreativen Freiheit bringt eine Herausforderung mit sich. Du benötigst zunächst eine wirklich gute Idee, die aus einer gewissen Kreativität entspringt. Ebenso ist eine gute Planung wichtig, da du mit einem komplett neuen Konzept startest. Diese Planung ist oft mit hohen Zeitaufwand verbunden.

Allerdings gehört auch ein Quäntchen Mut zur Gründung eines Unternehmens mit der eigenen Geschäftsidee, da niemand zum Zeitpunkt der Unternehmensgründung genau sagen kann, ob das eigens ausgedachte Konzept überhaupt erfolgreich wird.

Es wundert also kaum jemanden, dass in etwa ein Drittel aller Gründer innerhalb der ersten drei Jahre wieder aufgeben und infolgedessen an eigener Geschäftsidee scheitern. Sind die ersten drei Jahre überstanden und du hast inzwischen ein gut laufendes Unternehmen aufgebaut, wird dieses Gefühl als unbezahlbar beschrieben.

Bevor du loslegst, prüfe dein Geschäftsmodell. Das Business Model „Canvas“ gibt mehrere Punkte vor, an denen sich angehende Unternehmer bei Fragen zu Geschäftsidee orientieren können:

  1. Welche Alleinstellungsmerkmale besitzt dein Produkt?
  2. Was bietest du an?
  3. Wie sieht es mit Materialbeschaffung aus? Wie mit der Produktion?
  4. Werden Mitarbeiter gebraucht?
  5. Wie viel Fremdkapital wird benötigt?
  6. Welche Zielgruppe willst du ansprechen?
  7. Wie gelingen Kundenkontakt und -bindung?
  8. Welche Werbemaßnahmen willst du ergreifen?
  9. Sind Partner nötig, damit dein Unternehmen erfolgreich sein kann?
  10. Wie hoch sind laufende und Gründungskosten?
  11. Für welche Leistung bezahlt der Kunde?

Franchising

Wem die eigene Idee zu riskant ist, ist mit dem Franchising gut bedient. Das Modell des Franchisings besteht darin, ein bereits bestehendes und auch erfolgreiches Konzept in einer meist abgelegenen Region umzusetzen.

Die Vorteile darin sind offensichtlich ergründbar. Da ein bereits erprobtes Konzept umgesetzt wird, ist keine große Planung notwendig und du startest relativ zeitnah nach Einigung mit dem Franchisenehmer. Zudem wird dir in der Gründungsphase meist von dem Franchisegeber sowohl bei der Unternehmensführung, als auch bei der Finanzierung geholfen. Ebenso vorteilhaft ist es, dass keinerlei Fachwissen in der Branche nötig ist, was sich sogar besonders bei Quereinsteigern lohnt.

Allerdings ist ein Franchiseunternehmen mit einer geringeren unternehmerischen Freiheit verbunden, da er sich an Regeln und Vorgaben halten muss, die der Franchisegeber vorgibt. Diese Richtlinien haben sich in der Praxis bewährt und sind deshalb als sinnvolle Richtungsgeber anzusehen.

Eine Nachfolge antreten

Der letzte und mit Abstand auch komplizierteste Weg in die Selbstständigkeit ist das Antreten einer Nachfolge. Kompliziert, weil du zunächst ein geeignetes Unternehmen finden musst, was sich als schwierig herausstellt. Finde ein Unternehmen und beginne die Vertragsverhandlungen. Sind Einigungen erzielt, folgt die Übergabe, die meist gestaffelt folgt.

Die Herausforderungen, die hierbei auftreten können sind im Vergleich zu anderen Ideen hoch. Erstens ist eine große Investition für die Vertragsverhandlungen notwendig. Zweitens sind diese Verhandlungen oft langwierig und zäh und dauern im Normalfall mehrere Monate oder Jahre. Zudem muss die Chemie der beiden Vertragspartner stimmen, denn der Verkäufer möchte sein Geschäft in guten Hände wissen.

Dazu kommt, dass der Verkäufer große Erwartungen von Fachwissen in der Branche und Managementerfahrung an dich stellt und diese überprüfen lässt. Der große Vorteil besteht darin, dass du ein bereits etabliertes Unternehmen übernimmst und nicht von Null startest. Dafür musst du hohen Kaufpreis zahlen, kannst dir aber hohes Gehalt auszahlen lassen, was bei anderen Gründungsformen nicht der Fall ist.

Businessplan

Du hast deine Idee optimiert und bist bereit, einen Businessplan (dt. Geschäftsplan) zu erstellen, der den Leitfaden für dein Geschäft darstellt. Ein Businessplan ist die ausformulierte und ausgearbeitete Zusammenfassung deiner Geschäftsidee.

Dort steht geschrieben, wie die Geschäftsidee funktioniert, wo potentielle Chancen und Risiken liegen und ob die Geschäftsidee sich überhaupt rentieren kann. Der Businessplan sollte unbedingt vor dem Aufbau des Unternehmens angefertigt werden, da die Idee so überprüft werden kann. So gesehen ist der Businessplan nichts anderes als Machbarkeitsstudie zu deiner Geschäftsidee – der Businessplan ist zwar zu deiner Orientierung gedacht, doch auch für Banken und Geschäftspartner ist der Businessplan wichtig.

Ein gut ausgearbeiteter Businessplan beugt dem vorzeitigen „Aus“ deiner Geschäftsgründung vor. Mit dem Businessplan hast du weniger Risiko bei der Geschäftsgründung und scheiterst daher mit geringeren Wahrscheinlichkeit.

Bevor du ein Businessplan schreibst, was du auf jeden Fall selber tun solltest – ist es empfehlenswert, dass du einen fertigen Businessplan deiner Branche herunterlädst. In einem schon fertigen Businessplan finden du wichtige Informationen unter anderem zu der Finanzierbarkeit.

Des Weiteren eignet sich ein schon fertiger Businessplan gut zum Vergleich mit dem eigenen Modell. Solltest du jedoch Unterstützung bei der Anfertigung eines solchen Businessplans benötigen, kannst du von einem geförderten Gründercoach profitieren. Ein solcher Coach greift dir bei der Erstellung des Businessplans unter die Arme – auch bei der Erstellung eines Finanzplans oder Marketingkonzeptes kann ein guter Coach behilflich sein.

Was muss alles in eine Businessplan?

Idee, Angebot und Zielgruppe

Die Geschäftsidee ist der Grundstein eines zukünftigen Geschäftes und Ausgangspunkt des Businessplans. Darauf aufbauend entwickelst du das Dienstleistungs- oder Produktangebot. Neben einer klaren und auch für Laien verständlichen Erläuterung deiner Geschäftsidee solltest du folgende Punkte genau beschreiben:

1. An wen richtet sich die Idee: Zielgruppe?
Deine Idee kann so gut und innovativ sein – ohne Kunden kann keine Selbstständigkeit funktionieren. Beschreibe also, welche Merkmale deine zukünftige Kundschaft aufweist.

2. Welches Potential hat deine Geschäftsidee?
Wichtig ist, dass Angebot auf Nachfrage stößt. Beschreibe deshalb, welchen Nutzen Kunden aus deinem Produkt ziehen können und warum dein Produkt den Produkten der Konkurrenz vorgezogen werden sollte. Erstelle eine PDF als Information.

Markt und Wettbewerb

Da du deine Zielgruppe definiert hast, dürfte es dir leichtfallen, den relevanten Markt zu bestimmen. Beginne mit einer Beschreibung des Marktes. Nach Erläuterung des Marktes ist die Marktanalyse an der Reihe. Vergesse nicht, diesen Punkt besonders gründlich zu formulieren, da eine unzureichende Marktanalyse der häufigste Grund für ein unternehmerisches Scheitern ist.

In der Marktanalyse solltest du nach folgendem Schema vorgehen:

1. Marktgröße
Diese stellt den Ausgangspunkt dar. Der Schwerpunkt sollte auf Umsatz und verkauften Einheiten pro Jahr liegen. Nehme unbedingt aktuelle Daten hinzu, da diese der Ausgangspunkt für nächsten relevanten Punkt sind.

2. Marktwachstum und -dynamik
Hier solltest du nicht nur Rücksicht auf die aktuellen Gegebenheiten nehmen, sondern auch das Marktwachstum und die Wachstumsrate der letzten drei bis fünf Jahre festhalten. Erstelle eine Prognose für die nächsten drei bis fünf Jahre, um besser planen zu können. Nehme bei der Marktanalyse unbedingt Bezug auf die Marktdynamik.

3. Marktpotential
Beantworte unter diesem Punkt die Frage, wann ein Markt „gesättigt“ ist, also keine Nachfrage mehr vorhanden ist. Was dann? Hierbei geht es langfristig das Wachstumspotential deines angestrebten Zielmarktes zu untersuchen.

Wenn diese drei wesentlichen Punkte erledigt sind, solltest du noch weitere wichtige Faktoren für den Abschnitt Wettbewerb analysieren.

Diese findest du hier aufgelistet:

1. Lieferanten
Hast du volle Verhandlungsmacht? Kannst du angemessen reagieren, wenn die Lieferanten plötzlich die Preise erhöhen?

2. Mögliche neue Mitbewerber
Können neue Mitbewerber deine Kunden klauen? Eine Bedrohung deiner Existenz?

3. Kunden
Verhandlungsmacht über die Kunden? Stelle die Frage, wie wichtig das Produkt für die Kunden ist und wie diese auf Preissteigerungen und -senkungen reagieren könnten.

4. Ersatzprodukte
Kann dein Produkt in der Zukunft ersetzt werden? Ist dein Produkt exklusiv?

Unternehmensziele

Kurz- und mittelfristige Unternehmensziele stehen auf dem Plan. Anhand dieser Ziele kannst du Meilensteine festlegen, an denen du dich in den nächsten 1-3 Jahren orientierst. Auf Basis dieser Ziele legst du deine Unternehmensstrategie fest.

Bevor die Ziele definierst, sollte du den Rückwärtsgang einlegen und dich fragen, mit welcher Motivation du die Unternehmensgründung beginnen willst. Soll das Unternehmen deinen Lebensunterhalt sichern, so unterscheiden sich die Voraussetzungen dafür gänzlich im Vergleich zu den Voraussetzungen für eine zusätzliche Einnahmequelle.

Dieser Punkt muss unbedingt im Businessplan festgehalten werden.

Langfristige Unternehmensziele (Visionen)

Mit der langfristigen Vision beschreibst du den Zustand deines Unternehmens nach 10-25 Jahren.

Auf folgende Punkte gilt es zu achten:

  • „visionär“ sein, aber nicht unrealistisch
  • eindeutig und klar formuliert
  • sollte in einem Satz wiedergegeben werden können

Kurz- und mittelfristige Unternehmensziele

Nach der Festlegung langfristiger Unternehmensziele sollten die kurzfristigen Ziele für die nächsten drei Jahre ausformuliert werden. Außerdem die mittelfristigen Unternehmensziele der kommenden zehn Jahre.

Rechtsfragen und Steuer

Zum Einstieg in die Selbstständigkeit gehören zahlreiche Formalitäten, über die man sich im Vorfeld informieren sollte. Die lauten wie folgt:

1. Genehmigungen
Welche Genehmigungen benötigst du zur Ausführung deiner Tätigkeit?

2. Rechtsform
Für welche Rechtsform entscheidest du dich? Einzelunternehmer? Unternehmensgesellschaft? Kapitalgesellschaft? Doch eine völlig andere?

3. Unternehmensname
Welcher Unternehmensname ist möglich?

4. Steuern
Welche Steuern hast du zu zahlen? Von der Einkommenssteuer über die Gewerbesteuer bis hin zur Umsatzsteuer – die meisten Steuersätze richten sich nach der Rechtsform des Unternehmens.

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Markengründung

Hast du den Businessplan schlussendlich fertiggestellt, ist es der nächste Schritt, eine Marke oder Unternehmensnamen zu etablieren.

Dann gilt, diesen Namen ggf. zu schützen. Diesen rechtlichen Fragen sollte eine hohe Bedeutung zugeschrieben werden und keinesfalls vernachlässigt werden.

Du kannst deine Ideen auf verschiedenste Weisen schützen: Es gibt Schutzrechte auf Erfindungen, Gebrauchsmuster, Marken, Namen und Domains. Selbstverständlich kannst du auch das Geschmacksmuster deines Unternehmens schützen, also beispielsweise das Design deiner Webseite.

Doch warum sollte eine Geschäftsidee geschützt werden?

Ganz einfach: Du hast dadurch langfristig Wettbewerbsvorteile. Diese kannst du entweder durch Geheimhaltung oder durch die Anmeldung von gewerblichen Schutzrechten erlangen. Willst du deine Schutzrechte gültig machen, nehme am besten Kontakt zu der Beratungsstelle für gewerbliche Schutzrechte auf, die für dich zuständig ist.

Der Firmenname

Der Firmenname bzw. dein allgemeines Auftreten als Unternehmen sollte klar, eindeutig und prägnant sein, doch auch so konstruiert, dass beim Kunden positive Assoziationen geschaffen werden – die Auswahl an „guten Namen“ ist also begrenzt.

Die Internetpräsenz

Der Aufbau einer Internetpräsenz ist nicht schwer: Du brauchst Webspace und eine Domain Anzeige. Baukasten-Webseiten können für den Anfang ausreichen. Diese kannst du in einem Interface im Browser bearbeiten, ohne jegliche Programmierkenntnisse.

Beachte unbedingt, dass der erste Eindruck immer zählt – Bombardiere den Kunden nicht mit Werbung oder sinnlosen Informationen. Eine gute Webseite ist übersichtlich, optisch ansprechend und einfach aufgebaut.

Über eigene Webseite hinaus lohnt es sich oft, sich bei sozialen Netzwerken mit seinem Unternehmen zu registrieren, um mehr Kunden auf sich aufmerksam zu machen. In bestimmten Gruppen auf sozialen Plattformen kann außerdem hin und wieder kostenlos seine Produkte oder Dienstleistungen bewerben oder verkaufen.

Die Corporate Identity

Kein Unternehmen hat es bisher geschafft, an die Spitze zu kommen, ohne eine „Corporate Identity“ aufzubauen. Dieser Begriff bedeutet, dass ein Unternehmen einheitlich auftritt und so ein gewisses Selbstverständnis transportiert.

Willst du eine Corporate Identity aufbauen, sollten du Wert auf alle Bestandteile dieser legen. Die Corporate Identity ist mehr als nur die Summe der Einzelteile.

1. Corporate Behaviour (Verhalten eines Unternehmens)
Wie verhältst du dich gegenüber Kunden oder Mitarbeitern? Wie gegenüber Lieferanten? Willst du eine persönliche Nähe zum Kunden aufbauen oder geschäftliche Distanz wahren?

2. Corporate Design (Unternehmens-Erscheinungsbild)
Wie tritt dein Unternehmen visuell auf? Wie ist die Gestaltung von Logo, Visitenkarten und deiner Briefpapiere? Welche Arbeitskleidung müssen Mitarbeiter tragen? Wird ein Wiedererkennungswert für den Kunden erzeugt?

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3. Corporate Communication (Unternehmenskommunikation)
Wie schnell und gut werden Mitarbeiter über neue Gegebenheiten oder Meeting informiert? Welche Formen der Kommunikation werden genutzt und welcher Umgangston herrscht?

Über diese drei Punkte hinaus gilt es, einige Formalitäten zu beachten, um ein seriöses Auftreten des Unternehmens zu gewährleisten. Gebe alle Preise richtig an, stelle den Kunden alle nötigen Informationen zur Verfügung und beachte bei der Erstellung von geschäftlichen Briefen und Rechnungen die gängigen Normen.

Das gleiche gilt für Verträge und AGBs. Manche Rechtsanwälte bieten hierfür Vorlagen an, die du für den Anfang kostenlos nutzen kann.

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