Praxistipp: Wie du herausfindest, welche Anrede für deine Leser geeignet ist

Praxistipp: Wie du herausfindest, welche Anrede für deine Leser geeignet ist
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Oft ist es nicht einfach, zu entscheiden, ob der Leser mit „Sie“, „Ihr“ angesprochen werden soll oder das „Du“ besser wäre. Welche Anrede ist für deinen Leser geeignet? Was auswählen?

Du-, Sie, oder Ihr als Anrede

Du-, Sie, oder Ihr als Anrede? Welche eignet sich wofür? – © ssp / pixabay.com

In diesem Artikel geht es um die Anrede und um praktische Beispiele, wie ich die Ansprache bei kleinen Projekten teste und umsetze.

Die richtige Auswahl der Leser-Anrede

Die meisten wählen die Anrede instinktiv oder schauen bei der Konkurrenz nach. Was aber, wenn sich die Konkurrenz getäuscht hat und die bessere Wahl für die Texte das „Du“, „Sie“ oder „Ihr“ wäre?

Es gibt Bereiche, da wird das Duzen als negativ betrachtet. Diese erkennst du schnell an der Conversion (CR) oder Durchklickrate (CTR). Natürlich werden solche Tests kaum durchgeführt. In manchen Bereichen, in dem man tätig ist wird die Ansprache schon vorgegeben.

Wann wird das „Siezen“ empfohlen?

Siezen ist die klassische und förmliche Variante der Anrede.

Wirkt oft verstaubt, hat aber beim Bloggen mit der Kultur oder Unternehmensphilosophie zu tun. Überall wo Distanz, Sicherheit oder Diskretion erforderlich sind, empfehle ich das „Sie“ dem Leser anzubieten. Der Leser soll nicht das Gefühl haben, dass du ihm das Produkt oder die Dienstleistung andrehen willst.

Bei emotionalen oder bedrohlichen Themen möchte der Leser selbst die Entscheidung treffen. Das Duzen wäre in dem Fall die falsche Wahl, da er das Gefühl hat er wird direkt angegriffen. Vor allem bei Themen Geld, Versicherungen oder Banken ist es häufig der Fall.

Merke dir, wann du das Sie verwendest:

  • emotionale Themen
  • Banken: Kredite, Investitionen oder Anlagebereiche
  • Gesundheit: Versicherungen oder Krankheiten
  • Juristik
  • Medien: Zeitungen, Verlage oder Zeitschriften

Wann wird das „Duzen“ empfohlen?

Duzen ist die lockere Form der Ansprache. Dabei wird der Leser wie ein Freund oder vollständiges Mitglied angesprochen. Ausschlaggebend ist hier die Beziehung und Nähe zum Leser.

Ich finde das Duzen persönlich angenehm und beim Lesen habe ich das Gefühl, dass der Autor zu mir spricht und nicht allgemeine Aussagen trifft. Zwischen Autor und Leser wird eine emotionale Bindung aufgebaut.

Vor allem bei Themen, die eine Handlung erfordern ist das Duzen zu empfehlen. Der Leser geht direkt nach dem Lesen in Aktion über und kann das Gelesene direkt überprüfen oder konzentrierter der Anleitung folgen.

Merke dir, wann du das Du verwendest:

  • lockere oder personenbezogene Themen
  • Hobbybereich
  • Bloggen
  • Ratgeber
  • Vereine

Wann wird das „Ihrzen“ empfohlen?

Bei Anrede „Ihr“ geht es um mehrere Personen, Gruppen oder Geschlechter. Ihrzen ist eine veraltete Form der Anrede.

Persönlich mag ich das „Ihr“ nicht. Schon dadurch, dass der Leser nicht direkt, indirekt angesprochen wird. Es wirkt oberflächlich. Wenn ich „Ihr“ lese, dann denke ich oft: meint der Autor mich und meine Oma? Meine ganze Familie oder die ganze Welt da draußen? Was nun?

Das „Ihr“ sehe ich beim Lesen selten. Ich hatte ein Internet-Projekt mit Partner gehabt, dort haben wir uns auf „Ihr“ geeinigt und die Folge war; ich kam beim Schreiben durcheinander und baute heimlich oder unbewusst „Sie“ ein. Das hat den Leser irritiert und in Unruhe versetzt.

Merke dir, wann du das Ihr verwendest:

  • Gruppen
  • mehrere personenbezogene Themen
  • geschlechtsbezogene Themen

Fehler, die du niemals machen solltest

Es gibt Unternehmen und Corporate-Blogger, die je nach Medienplattform die Anredeform wechseln. Das führt zu Verwirrung beim Leser.

Vor allem bei Facebook oder Twitter versuchen die Unternehmen nach Außen jugendlich zu wirken. Sie suchen Nähe und neue Kunden. Das funktioniert nicht, weil von vornherein die falsche Zielgruppe ausgewählt wurde. Das ist so, als würde das Unternehmen oder der Blogger seine Philosophie nach Medienplattform wechseln. Funktioniert? Nein!

Hinweise:

  • niemals im Wechsel die Anredeform nutzen
  • versuche nicht falsche Zielgruppe für dich zu gewinnen
  • Zielgruppe die du verändern willst, wird zum Schluss dich verändern
  • lege eine Anredeform fest und halte dich daran
  • Ansprache sollte zu deiner Lebens- oder Unternehmensphilosophie passen

Wie kann die Anrede in der Praxis getestet werden?

Das ist ganz leicht. Dafür musst du Snippets deiner Überschriften und Beschreibungen im Vergleich zur Durchklickrate (CTR) und der Conversionrate (CR) testen. Beispiel mit Du- und Sie-Ansprache:

Du-Anrede der Leser

Snippet-Test: Du-Anrede der Leser

Du-Anrede der Leser

Snippet-Test: Sie-Anrede der Leser

Um erfolgreichen zu testen, sollte die Beschreibung idealerweise identisch sein. Der Seitentitel ist entscheidend, an dem du den Test durchführst. Die Beschreibung wird oft in den Suchergebnissen überlesen und in unserem Fall nicht von Bedeutung.

In der Search-Console kannst du die Klickrate ablesen und siehst sofort, wie dein Leser angesprochen werden will. Die Veränderungen sind nach Tagen in Zahlen gut deutbar.

Ich habe ähnlichen Test mit meiner One-Page durchgeführt. Die Klickrate hat sich um 50% erhöht und die Conversion um 40%.

Du bist dran. Hast du weitere Fragen zu der Anrede? Nutze dafür meinen Kommentarbereich und berichte von deiner Erfahrung. 

2 Kommentare zu “Praxistipp: Wie du herausfindest, welche Anrede für deine Leser geeignet ist

  • comment-avatar
    Volker kommentierte am 07.02.2017:

    Hallo Alex,

    vor dem Problem stand ich auch. Ich habe in meinem Reiseblog immer gesiezt, ich wollte irgendwie seriös wirken. Aber eigentlich ist es doch so, dass wir gerade im Urlaub und auf Reisen die Leute viel schneller duzen.

    Also habe ich seit einiger Zeit angefangen mit dem Du, wobei ich oft noch irgendwie neutral schreibe. Ich werde aber immer öfter das Du in meinen Texten verwenden.

    Schöne Grüße
    Volker

    • comment-avatar
      Alex Kasakow kommentierte am 07.02.2017:

      Hallo Volker. Danke für dein Kommentar. Vor allem bei eigenen Reiseberichten ist das Duzen passend, wie ich finde. Eine persönliche Angelegenheit. So kommen die Empfehlungen viel lockerer rüber. Tolle Fotos hast du!

      Grüße.