E-Book schreiben (lassen): Interview mit Self-Publisher „Oliver Schmid“ – #2

E-Book schreiben (lassen): Interview mit Self-Publisher „Oliver Schmid“ – #2
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Das Thema E-Book beschäftigt mich weiterhin. In der Planung habe ich meine strategische Vorgehensweise beschrieben.

Mittlerweile bin ich bei der Durchführung angelangt. Demnächst berichte ich von meinen Erfahrungen und Schwierigkeiten, die dabei entstanden.

Interview mit Selfpublisher Oliver Schmid – © unsplash / pixabay.com

In diesem Interview geht’s um wertvolle Tipps für angehende Autoren. Oliver Schmid spricht über seine Erfahrungen zum E-Book schreiben.

Das Interview mit Self-Publisher „Oliver Schmid“

Hallo Alex, vielen Dank für die Möglichkeit, auf Deinem Blog ein Interview geben zu dürfen. Wir kennen uns ja bereits einige Jahre aus verschiedenen Internet-Foren und Facebook-Gruppen. Ich möchte gerne die Gelegenheit nutzen, mich vorab kurz vorzustellen.

Mein Name ist Oliver Schmid, ich lebe und arbeite im schönen Friedrichshafen am Bodensee. Seit Januar 2009 bin ich Internet-Unternehmer und betreibe u.a. Portale in verschiedenen Segmenten. Seit ca. 1,5 Jahren publiziere und vermarkte ich E-Books.

Die Entwicklung und Umsetzung erfolgreicher Online Marketing Strategien ist meine Leidenschaft. Ich bin Vollblut Onliner und liebe das, was ich täglich tue.

  1. Wie bist Du zum E-Book-Schreiben gekommen, und wie hat sich das in den letzten Jahren entwickelt?

Autor bzw. Publizist wurde ich über einen Umweg. Dieser begann im Januar 2009 über das Thema SEO (Suchmaschinenoptimierung). Pinguin und Panda ist mir also ein Begriff. Das Thema E-Books ist mir zwar über die Jahre immer wieder begegnet, jedoch hatte ich das Potential nie erkannt. Schön blöd.

Der Anstoß, ein E-Book zu veröffentlichen, kam letztlich über einen Freund, der unter einem Pseudonym äußerst erfolgreiche Publikationen vorweisen kann. Da ich in einer Phase der Neuorientierung war, kam mir dieser Anstoß sehr gelegen.

Meine erstes E-Book „Bartagamen: Deutschlands großer Ratgeber habe ich dann auf Basis meiner Webseite Bartagame.de realisiert. Die Webseite bietet mit knapp 500 Besuchern täglich eine tolle Basis zur Vermarktung. Neben Amazon als Hauptkanal natürlich.

Umso länger ich dabei bin und umso mehr E-Books ich veröffentliche, umso mehr macht mir das Ganze Spaß. Ich lese mich täglich tiefer in die Materie ein. Aktuell arbeite ich mich in das Thema „Taschenbuch“ ein. In einigen Monaten werden dann auch alle Veröffentlichungen als Taschenbuch erhältlich sein. Mit der aktuellen Anzahl an E-Books könnte ich nun durchaus bereits komplett davon leben. Allerdings bin ich nicht von meinen Publikationen abhängig.

  1. Schreibst Du selbst die E-Books oder lässt Du diese von Ghostwritern schreiben?

Sowohl als auch. Einige E-Books stammen komplett aus meiner Feder. Ich benötige jedoch außerordentlich viel Zeit für das Schreiben. Auf diese Art und Weise kann ich nicht meine angepeilten Ziele realisieren.

Bei der Menge an Veröffentlichungen, die ich bereits gestemmt habe und die ich weiterhin für 2017 anpeile, ist es schlicht nicht möglich, das alleine zu stemmen. Viel wichtiger ist jedoch, dass ich nicht zu jedem Thema ausreichend Erfahrung mitbringe. Ich schreibe wirklich nur zu den Themen E-Books, bei denen ich inhaltlich auch mitreden kann.

Darüber hinaus arbeite ich mit verschiedenen Redakteuren, die mir dann großartige Inhalte für die jeweiligen Themen auf die Beine stellen.

Da sind meine Ansprüche an die inhaltliche Qualität über die Jahre stetig gestiegen. Ich bin eigentlich nie ganz zufrieden und sehe die Veröffentlichung auch stets als Etappe. Jede Veröffentlichung wird weiterhin gepflegt. Der Leser steht hier klar im Fokus. Das war – zugegeben – nicht immer so. In den Jahren 2009 bis 2013 habe ich, wie auch viele andere, MfA-Seiten ins Netz gedrückt, die inhaltlich ein Armutszeugnis waren. Darauf bin ich zwar nicht stolz, diese Seiten sind aber mittlerweile vom Netz.

  1. Bist Du Self-Publisher oder steht hinter deinen E-Books ein Verlag?

Für alle Publikationen nutze ich die wundervolle Möglichkeit des Self-Publishing. Das Verlagswesen ist mir zu statisch.

Mittels eines Distributors bin ich flexibel, kann bei Bedarf den Titel, das Cover usw. anpassen und vor allem bleiben die Einnahmen komplett bei mir. Da ich die E-Books ausschließlich online vermarkte und in diesem Feld selbst fit bin, wüsste ich auch nicht, was mir ein Verlag für einen Mehrwert bieten könnte. Außer vielleicht, dass ich mir auf die Fahne schreiben könnte, meine E-Books über einen Verlag zu publizieren. Davon kann ich mir aber nichts kaufen.

  1. Welches E-Book hast Du zuletzt veröffentlicht und wie viele E-Books sind in deinem Portfolio?

Die aktuelle Publikation lautet „eBooks schreiben & richtig vermarkten“. Diese habe ich gemeinsam mit meiner kongenialen Co-Autorin Alexandra Latour realisiert. Sie ist in Sachen „E-Book schreiben“ und „E-Book veröffentlichen“ so dermaßen fit, dass sich diese Zusammenarbeit quasi aufgedrängt hat. Insgesamt habe ich nun unter verschiedenen Pseudonymen 41 E-Books veröffentlicht.

Bis zum Jahresende sollen es ca. 55 bis 60 sein.

  1. Was denkst Du, ist es möglich mit E-Books eine finanzielle Freiheit zu erreichen?

Ja, daran hab ich keinen Zweifel. Wie oben bereits erwähnt, könnte ich grundsätzlich bereits jetzt davon leben. Ich reinvestiere jedoch nahezu komplett 100% der Einnahmen in weitere Veröffentlichungen und die Vermarktung. Letztlich hängt es einfach von Dir selbst ab, wie fleißig Du bist, und wie konsequent und effizient Du dein Ding durchziehst. Bleib am Ball, auch wenn es mal eine Durststrecke gibt.

  1. Wo liegen deiner Meinung nach die Vorteile von Kindle-E-Books gegenüber Drittplattformanbietern wie Digistore24?

Man kann beide Kanäle nicht wirklich gegenüberstellen. Jeder hat für eine unterschiedliche Ausgangslage eine Berechtigung. Grundsätzlich kann man beide auch kombinieren. Hat man zum Beispiel in einer Nische sehr zielgerichteten Traffic auf der Webseite und am besten viel davon, bietet sich die Abwicklung via Digistore24 grundsätzlich an. Der Vorteil liegt klar auf der Hand, hier bleibt am meisten hängen. Demgegenüber steht der kostenlose Traffic auf Amazon und 70 weiteren Stores, wie zum Beispiel Amazon, Apple iBookstore, Kobo, eBook.de, Thalia, Google Play und zahlreiche mehr, wenn man auf einen Distributor setzt.

Es kommt auch auf das Produkt und den Preis an. Wer E-Books für 27 Euro aufwärts verkauft, für den ist Digistore24 sicher die beste Wahl. Richtig teure E-Books für wenige und/oder einige hundert Euro stehen – finde ich – in keinem Verhältnis mehr, selbst wenn der Inhalt noch so gut und hilfreich ist.

Da die meisten meiner E-Books zwischen 2,99 Euro und 4,99 Euro kosten (nur eins wird für 19,99 Euro verkauft), steht die günstigere Abwicklung über Digistore24 nicht im Verhältnis zum kostenfreien Traffic auf Amazon. Also sende ich jeglichen Traffic, welchen ich an Land ziehe zu Amazon. Das kann eine Webseite sein (für viele E-Books gibt es extra eine Webseite), eine E-Mail-Liste oder einfach Facebook (Gruppen, Fanseiten, Advertising). Die aufgrund der erhöhten Verkaufszahl verbesserten Rankings zu den anvisierten Keywords, machen das deutlich wieder gut.

Hat man bei Amazon ein eBook zu den anvisierten Keywords einmal auf den oberen Plätzen, ziehen die daraus resultierenden Verkäufe das eBook weiter nach oben und verbleiben dort stabil. Diesen Kreislauf bekommt man natürlich nur hin, wenn man inhaltlich wirklich abliefert und die Leser auf keinen Fall enttäuscht.

Ergo: Bookrix (oder epubli, Xinxii, Neobooks, Beam, Bookwire, Books on Demand, usw.) als Distributor um alle 70 Stores zu erreichen und anschließend dann bzgl. der Vermarktung den Schwerpunkt auf Amazon legen. Zudem die gesamte Klaviatur des Online-Marketings abfeuern. Und das für jedes einzelne eBook.

  1. Wie entscheidend ist der Preis? Testest Du unterschiedliche Preise?

Tatsächlich ist der Preis jedoch eines der entscheidenden Kriterien für Erfolg oder Misserfolg eines E-Books. Vielleicht sogar das entscheidende Kriterium. Diese hängt auch stark von der Zielgruppe ab. Grundsätzlich funktionieren 0,99 Euro, 1,49 Euro, 1,99 Euro, 2,49 Euro und 2,99 Euro hervorragend.

Als smarte Strategie hat es sich erwiesen, mit einem niedrigen (z.B. 0,99 Euro) Einführungspreis zu starten, für den Du dann auch entsprechend werben solltest, und dann, sobald sich der Erfolg einstellt, die Ernte mit einem höheren (z.B. 2,99 Euro) Preis einzufahren.

Manchmal wirkt ein sehr niedriger Preis unseriös in einem Umfeld, in welchem die E-Books und Taschenbücher 8,99 Euro kosten. Zudem muss man auch, wenn man alle 70 Stores bespielt, berücksichtigen, dass zum Beispiel im Google Play Store ein Preis wie 8,99 Euro schlicht nicht funktioniert. Mit einem Verkaufspreis von 2,99 Euro macht man sicher nichts verkehrt.

  1. Wie vermarktest Du Deine E-Books?

Grundsätzlich nutze ich als Basis gerne eine Webseite. Für das eBook „eBooks schreiben & richtig vermarkten“ habe ich eine alte Expired Domain gewählt, die ordentlich Linkpower mitbringt und verfasse dort sinnvolle und/oder humorvolle Artikel, welche ich dann auf verschiedenen Kanälen verbreite. Ein schönes Beispiel ist der letzte Artikel „Geld verdienen mit eBooks.

  1. Welche drei größten Fehler hast Du beim Vermarkten gemacht?

Fehler 1: Keine Vermarktung. Klingt komisch, ist aber grundlegend. Nichts läuft von alleine. Du benötigst Bewertungen und Du benötigst auch etwas externen Traffic, um den Amazon-Ranking-Algorithmus in Fahrt zu bekommen. Besonders zu Beginn.

Fehler 2: Keine E-Mail-Liste. Viele Jahre habe ich diesen Kanal unterschätzt. Mache diesen Fehler nicht. Baue eine Liste auf.

Fehler 3: Kein Tracking. Ohne Tracking fährst Du blind und kannst nicht optimieren.

  1. Zum Schluss Deine drei wichtigsten Tipps, die ein angehender Autor unbedingt beachten soll.

Tipp 1: Dein Inhalt muss richtig reinhauen. Und damit meine ich so richtig. Gebe Dich auch mit dem besten Ergebnis nie zufrieden und feile dauerhaft an den Inhalten. Ist ein eBook einmal veröffentlicht, betrachte dies nicht als Schluss-, sondern als Start-Punkt. Bzgl. der Vermarktung sowieso, aber ebenso inhaltlich.

Tipp 2: Gehe in die Breite und in die Tiefe. Die Breite bringt Sicherheit und gute Einnahmen mit sich und die Tiefe sichert den nachhaltigen Erfolg. Ein gut aufgesetztes und dauerhaft gepflegtes eBook soll auch in 5 Jahren noch via Amazon und Co. verkaufen. Daher Tipp 2.2.: Wähle zeitlose Themen. Das ist einfach entspannter.

Tipp 3: Lernen. Demut. Höre nie auf zu lernen und neugierig zu sein. Sei stets demütig. Wenn Du denkst, Du weißt alles/bist jemand, hast Du aufgehört jemand zu werden. Ich lese jeden Tag zahlreiche Blogs zum Thema Self-Publishing.

Empfehlen kann ich hierbei den Blog Die Self-Publisher-Bibel.

2 Kommentare zu “E-Book schreiben (lassen): Interview mit Self-Publisher „Oliver Schmid“ – #2

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    Daniel kommentierte am 14.02.2017:

    Hallo. Sehr schönes Interview. Der Autor scheint wirklich Ahnung zu haben. Danke.