Müssen Affiliate-Links mit Sternchen gekennzeichnet werden?

Müssen Affiliate-Links mit Sternchen gekennzeichnet werden?
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Müssen Affiliate-Links gekennzeichnet werden? Ist eine Kennzeichnung in Form von Sternchen notwendig und welche Gerichte haben wie entschieden?

Affiliate-Links kennzeichnen?

Affiliate-Links kennzeichnen oder nicht? – © 683440 / pixabay.com

In diesem Artikel gehe ich auf die Kennzeichnung der Affiliate-Links ein. Dieser Artikel stellt keine Empfehlung dar und sollte als reine Informationsquelle* betrachtet werden.

Affiliate-Links kennzeichnen oder nicht?

Das ist wohl die meistdiskutierte Frage im Affiliate-Marketing. Die Antworten gehen oft auseinander und Streit ist vorprogrammiert.

Was heißt eigentlich richtig oder konform kennzeichnen und gibt es überhaupt eine Kennzeichnungsform? Die meisten würden wahrscheinlich laut aufschreien – Sternchen, Sternchen.

Es ist die beliebteste Kennzeichnung, die auch keine Aussagekraft hat. Sie befreit und bereitet keine Kopfschmerzen, mehr nicht.

Die Gesetzeslage für Trennung von Inhalt und Werbung

Nach § 6 TMG gehört ein Blogartikel der Werbung enthält zu einer kommerziellen Kommunikation. Dies gilt, wenn der Leser zwischen objektiver Information und subjektiver Werbebotschaft nicht unterscheiden kann. [BGH, Urt. v. 23.10.1997 – I ZR 123/95]

Werden derartige Kommunikationsbotschaften nicht getrennt, so liegt laut Gerichten und Gesetz ein Verstoß gegen Wettbewerbsrecht vor.

Aus meiner Sicht bezieht sich das auf redaktionelle/journalistische Webinhalte, die von vornherein eine objektive Berichterstattung beinhalten sollen. Diese Trennung ist wichtig, da Journalisten ganz andere Aufgaben haben. Sie müssen die Unabhängigkeit und kritische Distanz wahren. Das Gebot der strikten Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten muss eingehalten werden. [§ 4 Nr. 3 UWG]

Die Kennzeichnung und der Aberglaube, dass die Sternchen das Problem lösen

Dass es eine Kennzeichnungspflicht gibt und die Inhalte von Werbung getrennt sein müssen, haben wir abgeklärt. Wobei es immer noch unklar ist, für wen dies zutreffend ist und wie das zu erfolgen hat.

Die Gerichte haben sich zu Affiliate-Links nie geäußert. Lediglich beziehen sich alle Entscheidungen auf redaktionelle Inhalte.

Wer große Webseiten oder Portale, wie vergleich.org, spiegel.de, chip.de, testberichte.de oder guenstiger.de betrachtet, der erkennt schnell dass die Affiliate-Links nicht gekennzeichnet sind.

In diesem Zusammenhang versuchte Michael Firnkes über Twitter bei spiegel.de nachzufragen. Seine Zusammenfassung kannst du hier lesen.

Warum fehlt dort die Kennzeichnung?

Als Einwand wird gerne deren Verdienst oder die guten Anwälte reingeworfen. Nach deren Theorie müsste es heißen, dass die Gesetze beim guten Anwalt ausfallen und beim guten Verdienst nicht anfechtbar oder immer bezahlbar sind.

Kurz gesagt, die einzige Aussage die heute gemacht werden kann, bezieht sich ledig auf einen Vergleich zu „Sponsored by“.

Die beliebte Sternchen-Kennzeichnung:

Diese haben die Blogger selbst als Absicherung übernommen und tragen sie in der Online-Welt umher. Wie schon oben erwähnt, haben sich die Gerichte zur Kennzeichnung nicht geäußert und somit gibt es keine einheitliche oder richtige Form. Lediglich „Anzeige“ oder „Werbung“, oder ähnliche Begrifflichkeiten sind richtig.

Gute Anwälte, die mit der Thematik vertraut sind, empfehlen die direkte „Kennzeichnung (Werbung)„. Das Wort „Werbung“, „Werbepartner“ oder „Anzeige“ wird neben dem Link platziert. Diese Methode ist die sicherste und schützt vor möglichen Abmahnungen.

Eine weitere Möglichkeit wäre den Affiliate-Link mit Sternchen zu versehen und die Erklärung unterhalb vom Inhalt auszugeben. Dabei darf die Erklärung vom Artikel nicht getrennt sein!

Sternchen-Erklärung, wie hier als Beispiel dargestellt

Affiliate-Link: Alle mit Sternchen gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links.

ist sogar nichtig. Warum?

Weil „Affiliate-Link“ nicht eindeutig ist und ein unscharfer Begriff ist. [s.vgl. „Sponsored by“ BGH, 06.02.2014 -I ZR 2/11].

Das strikte Gebot der Kenntlichmachung von Anzeigen wird grundsätzlich verletzt, wenn der präzise Begriff der „Anzeige“ vermieden und stattdessen ein unscharfer Begriff gewählt wird. [..]

[Quelle: MIR]

Somit kann ich ohne weiteres sagen, dass die Affiliates mit ihrer Deplatzierung der Erklärung und falscher Begrifflichkeit noch mehr zur Irreführung der Leser beitragen.

Bei der Kennzeichnung geht’s um Zuordnung und die Zuordnung ist nicht gewährleistet. Der Webseitenbetreiber verlangt, dass der Leser/Nutzer, wie ein Suchtier durch seine Webseite huscht und nach seiner Sternchen-Erklärung sucht. Denn die Erklärung darf nicht in Sidebar, Footer oder Impressum vermerkt sein.

Wo ist dein Vermerk zu Sternchen-Erklärung?

Uns bleibt nicht anderes übrig, als auf Gerichtsentscheidung zu warten, die sowohl eine Entscheidung als eine Begründung abliefern wird.

Außerdem kommt hinzu, dass es bei einer Abmahnung der Advertiser zur Verantwortung gezogen wird, denn dieser ist in vielen Fällen für seine Affiliates verantwortlich. [§ 8 Abs. 2 UWG]

Wieso verlangen die Advertiser keine Kennzeichnung?

Nicht erlaubt sind bei Kennzeichnungen:

Mouse-Over-Effekte, die über,- oder oberhalb bzw. seitlich vom Link-Text als Erklärung automatisch erscheinen. Dies hat zwei Gründe:

  • zum einen können solche Effekte ein- oder ausgeschaltet werden und
  • zum anderen nicht auf allen Plattformen dargestellt werden.

Des Weiteren steht fest, dass die URL-Struktur bei Maskierung erkennbar sein muss und für den Leser/Nutzer der Verweis ersichtlich sein muss. Pseudobeschriftungen, wie sie Bitly oder anderen Diensten als Maskierung erstellt werden, sind oft unzulässig.

Zusammenfassung:

  • Eine konforme Kennzeichnung von Affiliate-Links gibt es meiner Ansicht nach nicht.
  • Die sicherste Methode ist neben dem Link-Text die Worte „Werbung“, „Anzeige“ oder „Werbepartner“ zu platzieren.
  • Das Wort „Affiliate-Link“ darf nicht in der Sternchen-Erklärung auftauchen oder muss für den Leser genau erklärt werden.
  • Die Erklärung darf nicht in Sidebar, Footer oder Impressum vermerkt sein oder auf eine andere Seite weiterleiten.
  • Mouse-Over-Effekte sind nicht erlaubt.
  • Bei Maskierung muss der weiterführende Verweis für Leser ersichtlich sein.

(* Der Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Er spiegelt nur meine zusammengetragenen Informationen wider. Rechtsberatung ist in diesem Zusammenhang nur anzuraten.)

6 Kommentare zu “Müssen Affiliate-Links mit Sternchen gekennzeichnet werden?

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    Sharon kommentierte am 23.01.2017:

    Hi Alex, ein wirklich sehr informativer Beitrag, das Thema interessiert mich auch, obwohl ich bislang noch gar keine Affiliate-Links verwende. Ist noch unbekanntes Terrain für mich.
    Ein Klasse Blog!!!
    Viele Grüße,
    Sharon

    • comment-avatar
      Alex Kasakow kommentierte am 23.01.2017:

      Danke für dein Kommentar, Sharon. Schwierige Angelegenheit mit der Kennzeichnung. Ich suche selbst noch nach einer zufriedenen Lösung. Grüße.

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    Christopher kommentierte am 23.01.2017:

    Hallo Alex,
    ich überlege ein WordPress Plugin zu schreiben, was wie Pretty Linklite funktioniert, aber erstmal auf eine Hinweisseite weiterleitet, wo der Benutzer aufgelkärt wird, dass es sich um einen Werbelink handelt und dann weiter geleitet wird auf das jeweilige Produkt…

    Das wäre in meinen Augen auch noch eine Lösung die dem Wettbewerbsrecht entspricht.

    Gruß

    Christopher

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      Alex Kasakow kommentierte am 23.01.2017:

      Hallo Christopher. Klingt echt interessant. Das wäre wirklich eine gute Lösung. Ich vermute nämlich, Pretty-Link wird demnächst komplett kostenpflichtig.

      Danke für dein Kommentar. Grüße.

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    Robert kommentierte am 19.02.2017:

    Hey Alex,

    endlich mal jemand, der einen Affiliate-Blog betreibt, der das auch richtig erklärt. Alle anderen tun immer so, als bräuchte man es nicht kennzeichnen und wenn man sie darauf aufmerksam macht kommt sowas wie „jeder hat seine eigene Meinung“. Aber alternative Fakten sind gerade ja modern 🙂

    Mach weiter so!

    BG
    Robert